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1616–1679

1.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein frühling ist verschwunden, Ich spühre nichts, als rauhe winters-zeit; Das haupt hält flor umwunden, Mein hertze steht in schwartzen boy gekleidt;

Was ist die grösse meiner missethat, Daß ich mich soll im leben selbst begraben? Mein kind! der himmel lobt nicht diesen rath, Du wilst zu schwere buß’ auf kleine fehler haben.

Ich habe nichts verbrochen, Mein mund hat deinen purpur nur berührt; Muß dieser seyn gerochen Mit blitz und feur, das dein gesichte führt?

Dein glantz wird ja durch keinen kuß versehrt: Was himmlisch ist, wird nie von irrdischen beflecket. Was hat die sonn an ihrem schein gestöhrt, Obgleich ihr helles licht auch schwartze erde decket.

Dein himmel ist umzogen, Jtzt seh ich nichts als nur cometen stehn; Was hat dich nun bewogen, Melinde! daß dein knecht soll untergehn?

Ich bin kein holtz, auch nicht ein harter stein, Mein hertze muß in blut und regung wallen. Selbst engel können nicht ohn fehler seyn, Du weist, wie sie vor dem auch eben sind gefallen.

Doch sinck ich dir zu füssen, Melind’! allhier liegt dein entseelter knecht; Er will die fehler büssen, Ach! laß erbarmung gehn vor strenges recht,

Nicht schaue mich mit harten blicken an! Kein schwaches auge kan den hellen blitz ertragen, Du weist, wie leicht es um uns ist gethan, Wenn uns der donner will mit scharffen keilen schlagen.

Laß deine sonn aufgehen, So zeigt mein himmel auch sein freuden-licht. Wer kan vor dir bestehen, Wenn rach und zorn aus deinen augen bricht?

Drüm falle nicht der strengen meynung bey: Daß liebes-sünden nur sind durch den tod gehoben. Die hölle lehret uns, was grausam sey, Den himmel hört man stets von gnad und güte loben.

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