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1798–1874

Vergänglichkeit des Erdenlebens.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Mensch, sag' an, was ist dein Leben? Eine Blum' und dürres Laub, Das am Zweige kaum mag kleben Und verkreucht sich in den Staub.

Dies bedenk', o Menschenkind, Weil wir alle sterblich sind. Was ist Adel, hoch Geschlechte? Was ist hochgeboren sein?

Muß der Herr doch mit dem Knechte Leiden bittre Todespein; Kaiser, König, Edelmann, Alle müssen sie daran.

Was ist Weisheit? was sind Gaben? Was ist hochgelahrte Kunst? Was hilft Ehr' und Ansehn haben? Und bei Herren große Gunst?

Dringt sich doch der Tod herein, Nichts hilft klug und weise sein. Was ist Reichthum? was sind Schätze? Nur ein glänzend gelber Koth,

Mensch, darauf dein Herz nicht setze! Sieh die Zeit an und den Tod! Dieser nimmt das Leben hin, Jene frißt Gut und Gewinn.

Was ist Jugend, frische Jahre, In der besten Blüthe stehn? Junger Muth und graue Haare Müssen mit dem Tode gehn;

Ist doch hie kein Unterscheid Unter jung' und alte Leut'. Menschentöchter, Menschensöhne, Laßt euch dies gesaget sein!

Seid ihr hoch, weis', reich und schöne, Ihr seid doch nur Todtenbein; Hier ein wohlgeschmückter Bau, Nach dem Tod der Würmer Au.

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