Skip to content
1819

Die Abtrünnigen

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Das Wasser sprach zum Eise: „Kind, So bleib doch nicht so stehn! Der Weg ist weit, die Zeit verrinnt, Wir müssen weiter gehn.“

„Leb wohl! ich kehre nicht zurück, Leb wohl! ich bleibe hier: Beschert ward mir ein höhres Glück, Jetzt bin ich mehr als ihr.“

„Komm aus dem Himmel doch geschwind!“ Sprach's Wasser zu dem Schnee, „Der Weg ist weit, die Zeit verrinnt, Wir müssen in die See.“

„Leb wohl und grüß das Vaterland! Ich gehe nicht mit dir: Jetzt hab' ich einen höhern Stand, Jetzt bin ich mehr als ihr.“ –

So bliebt ihr Freund' uns auch zurück, Weil Stillstand euch gefiel; Ihr suchtet euch ein andres Glück, Ein andres Lebensziel.

Einst gingen wir wohl Hand in Hand, Die Mutter rief so laut – Die Mutter war das Vaterland, Die Freiheit unsre Braut.

Ihr die ihr Eis und Schnee jetzt seid Und dünkt euch mehr als wir, O wartet nur, es kommt die Zeit Und – Wasser seid auch ihr.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Die Abtrünnigen · August Heinrich Hoffmann von Fallersleben · Poetry Cove