Skip to content
1776

Trinklied im Winter

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Das Glas gefüllt! Der Nordwind brüllt, Die Sonn' ist niedergesunken! Der kalte Bär

Blinkt Frost daher, Getrunken, Brüder, getrunken! Die Tannen glühn Hell im Kamin,

Verstreuen knatternd die Funken! Der edle Rhein Gab uns den Wein, Getrunken, Brüder, getrunken!

Der edle Most Verscheucht den Frost, Und zaubert Frühling hernieder; Der Trinker sieht

Den Hain entblüht Und Büsche wirbeln ihm Lieder! Er hört Gesang, Und Harfenklang,

Und schwankt durch blühende Lauben; Ein Mädchenchor Rauscht schnell hervor, Und bringt ihm goldene Trauben!

Sauf' immerfort, O Winternord, Im schneebelasteten Haine; Nur streu dein Eis,

O lieber Greis, In keine Flaschen mit Weine! Die stolze Frau Färb braun und blau,

Die Ahnenschwindel erfüllet; Nur mußt du fliehn Den Hermelin, Der junge Busen verhüllet!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Trinklied im Winter · Ludwig Christoph Heinrich Hölty · Poetry Cove