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1748–1776

Maigesang.

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Aus der goldenen Wolke Thaun der Mai und die Liebe Segen auf die enteiste Flur. Sein allmächtiges Lächeln

Giebt dem Strauche die Blätter, Giebt dem Baume die Knospen, Und dem Haine den Lenzgesang. Seinen Tritten entwimmeln

Grüne duftende Kräuter, Tausenfarbige Blumen, Purpur, Silber und lichtes Gold. Seine Tochter, die Liebe,

Baut dem Vogel die Nester, Paaret Blumen und Blüten, ührt dem Manne die Männin zu. Liebe säuseln die Blätter,

Liebe duften die Blüten, Liebe rieselt die Quelle, Liebe flötet die Nachtigall. Lauben klingen von Gläsern,

Lauben rauschen von Küssen Und von frohen Gesprächen, Und vom Lächeln der Liebenden. Ringsum grünen die Hecken,

Ringsum blühen die Bäume, Ringsum zwitschern die Vögel, Ringsum summet das Bienenvolk. Roth und Grün ist die Wiese,

Blau und golden der Aether, Hell und silbern das Bächlein, Kühl und schattig der Buchenwald. Heerden klingeln im Thale,

Lämmer blöcken am Bache, Und die Flöte des Hirten Weckt den schlummernden Abendhain. Nachtigallen, ihr wirbelt

Auf das Lager des Jünglings, Welches Maien umduften, Goldne Träume von Kuss und Spiel! Träumend spielt er mit Laurens

Weissem bebenden Busen. Küsst den bebenden Busen, Und den rosigen süssen Mund.

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