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1748–1776

Lebenspflichten.

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Und des Harms vergessen! Eine kurze Spanne Zeit Ward uns zugemessen. Heute hüpft im Frühlingstanz

Noch der frohe Knabe; Morgen weht der Todtenkranz Schon auf seinem Grabe. Wonne führt die junge Braut

Heute zum Altare; Eh die Abendwolke thaut, Ruht sie auf der Bahre. Gebt denn Harm und Grillensang,

Gebet ihn den Winden; Ruht bei hellem Becherklang Unter grünen Linden. Lasset keine Nachtigall

Unbehorcht verstummen, Keine Bien' im Frühlingsthal Unbelauscht entsummen. Schmeckt, so lang' es Gott erlaubt,

Kuss und süsse Trauben, Bis der Tod, der alles raubt, Kommt, auch sie zu rauben. Unserm schlummernden Gebein,

Von dem Tod' umdüstert, Duftet nicht der Rosenhain, Der am Grabe flüstert, Tönet nicht der Wonneklang

Angestossner Becher, Noch der frohe Rundgesang Weinbelaubter Zecher.

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