Ludwig Christoph Heinrich Hölty
Wie wir erzählt, die beiden, Den Mai und Junius hindurch, In Herlichkeit und Freuden; Sie schwammen hier in Ueppigkeit
Bis über beide Ohren; Doch endlich floh die Trunkenheit, Worin sie sich verloren. Er hatte sich mit Zuckerbrot
Den Magen überladen, Ward bleich und hager wie der Tod, Ihm schwanden Mut und Waden. Sein Auge, wie Vergissmeinnicht,
Erlosch und wurde dunkel; Er trug im kupfrigen Gesicht Rubinen und Karfunkel. Die Küsse, Weine, das Konfekt,
Die Zuckerbissen alle, Wonach er sonst den Mund geleckt, Verkehrten sich in Galle. Der Vögel buhlerisch Konzert,
Das er, in Luft verloren, Mit solcher Wonne jüngst gehört, Mistönte seinen Ohren. Nun floh er, mehr als Tod und Grab,
Den Pallast und Ismenen, Und ging am Ufer auf und ab, Und weinte stille Thränen. O liebe, liebe Adelheid!
So rief er sonder Ende: Der ich mein treues Herz geweiht! Und rang die welken Hände. Wie magst du, gute Seele, wohl
Leanders Angedenken, Mit lautem Schluchzen, einen Zoll Getreuer Thränen schenken! O könnt' ich dir den Thränenguss,
Dem Kerker hier entrissen, Durch einen reuevollen Kuss Von deiner Wange küssen! O welcher Unstern! wehe mir!
Das Mastvieh war geschlachtet, Der Pfarrer hatte die Gebühr, Wonach er lang geschmachtet! Wir waren schon, ich armer Mann!
Schon zweimal aufgeboten, Und dachten wahrlich nicht daran, Was uns vor Wetter drohten. Schon ging mit manchem bunten Band
Am Hut der Hochzeitbitter Im Dorf herum; der Musikant Probirte schon die Zitter. Die Speisen, die wir angeschafft,
Sind nun schon Iängst verdorben. Mein Liebchen ist wohl, hingerafft Von Schwermut, gar gestorben. Den guten Göttern musste dies
Nun wohl zu Herzen gehen. Drum flog ein Schiff heran, und liess Die Flagge statlich wehen. Der Schifpatron nahm ihn an Bord,
Und bracht' in wenig Stunden Ihn wohlbehalten an den Ort, Da ihn Ismene funden. Ismene stand versteinert da,
Als sie am Horizonte Die aufgeschwollnen Segel sah, Und es nicht wehren konnte; Zerriss die Haare, weinte sich
Die Wangen bleich und hager, Und wand die Hände jämmerlich Auf dem verwaisten Lager. Sie ritt mit thränendem Gesicht
Auf ihrem Besenstiele Viel Länder durch, und fand ihn nicht, Und ritt sich manche Schwiele, Und ward, wie männiglich bekannt,
Nach vielen Abentheuern, Zulezt elendiglich verbrannt Zu Ingolstadt in Baiern.
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