Ludwig Christoph Heinrich Hölty
Die seinen Jugendtraum begrüsst, Wenn Arm um Arm, und Geist um Geist sich windet, Und Seel' in Seele sich ergiesst, Die Liebe macht zum Goldpalast die Hütte,
Streut auf die Wildniss Tanz und Spiel, Enthüllet uns der Gottheit leise Tritte, Giebt uns des Himmels Vorgefühl! Sie macht das Herz der Schwermut frühlingsheiter;
Sie bettet uns auf Rosenaun; Und hebet uns auf eine Himmelsleiter, Wo wir den Glanz der Gottheit schaun. Sie giebt dem Kranz des Morgens hellre Röthe,
Und lichter Grün dem Schattenwald, Und süssern Klang der späten Abendflöte, Die aus des Dorfes Büschen schallt. Die Liebenden sind schon zu bessern Zonen
Auf Flügeln ihrer Lieb' erhöht, Empfahen schon des Himmels goldne Kronen, Eh ihr Gewand von Staub verweht. Sie kümmern sich um keine Erdengüter,
Sind sich die ganze weite Welt, Und spotten dein, du stolzer Weltgebieter, Vor dem der Erdkreis niederfällt. Sanft hingeschmiegt auf seidne Frühlingsrasen,
Auf Blumen eines Quellenrands, Verlachen sie die bunten Seisenblasen Des lieben leeren Erdentands. Ein Druck der Hand, der durch das Leben schüttert,
Und eines Blickes Trunkenheit, Ein Feuerkuss, der von der Lippe zittert, Giebt ihnen Engelseligkeit. Ein Blick der Lieb’, aus dem die Seele blicket,
In dem ein Engel sich verklärt, Ein süsser Wink, den die Geliebte nicket, Ist tausend dieser Erden wehrt. Ein Herzenskuss, den selber Engel neiden,
Küsst ihren Morgenschlummer wach; Ein Reihentanz von ewigjungen Freuden Umschlingt den lieben langen Tag. Ein süsser Schlaf sinkt auf ihr keusches Bette,
Wie auf die Lauben Edens sank. Kein Endlicher misst ihrer Freuden Kette, Wer nicht den Kelch der Liebe trank.
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