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1748–1776

Die Liebe.

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Gott dem Menschengeschlecht; aber der lastende Kummer senket die Schale; Immer hebet die andre sich. Irr und trauriges Tritts wanken wir unsern Weg

Durch das Leben hinab, bis sich die Liebe naht, Eine Fülle der Freuden In die steigende Schale geusst. Wie dem Pilger der Quell silbern entgegen rinnt,

Wie der Regen des Mais über die Blüten träuft, Naht die Liebe: des Jünglings Seele zittert, und huldigt ihr! Nähm' er Kronen und Gold, misste der Liebe? Gold

Ist ihm fliegende Spreu; Kronen ein Flittertand; Alle Hoheit der Erde, Sonder herzliche Liebe, Staub! Loos der Engel! Kein Sturm trübet die Heiterkeit

Seiner Seele! Der Tag hüllt sich in lichter Blau; Kuss und Flüstern und Lächeln Flügelt Stunden an Stunden fort! Herscher neideten ihn, kosteten sie des Glücks,

Das dem Liebenden ward; würfen den Königsstab Aus den Händen, und suchten Sich ein friedliches Hüttendach. Unter Rosengesträuch lispelt ein Quell, und mischt

Zum begegnenden Bach Silber. So strömen flugs Seel' und Seele zusammen, Wenn allmächtige Liebe naht.

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Die Liebe. · Ludwig Christoph Heinrich Hölty · Poetry Cove