Ludwig Christoph Heinrich Hölty
Und der silberne Mond hinter dem Walde steht, Ist ein irdischer Himmel, Gleicht den Thalen der Seligen. Schöner lächelt der Hain, silberner schwebt der Mond,
Und der ganze Olimp fleusst auf die Erd' herab, Wann die Liebe den Jüngling Durch die einsamen Büsche führt. Wann ihr goldener Stab winket, beflügelt sich
Jede Seele mit Glut, schwingt sich den Sternen zu, Schwebt durch Engelgefilde, Trinkt aus Bächen der Serafim; Weilt, und trinket, und weilt, schwanket im Labirinth;
Eine reinere Luft athmet von Gottes Stul Ihr entgegen, und weht sie Gleich dem Säuseln Jehovas an. Selten winket ihr Stab, selten enthüllet sie
Sich den Söhnen des Staubs. Ach! sie verkennen dich; Ach! sie hüllen der Wollust Deinen heiligen Schleier um. Mir erschienest du, mir, höheres Glanzes voll,
Wie dein Sokrates dich, wie dich dein Plato sah; Wie du jenem im Thale Seiner Quelle begegnetest. Erd' und Himmel entflieht sterbenden Heiligen;
Lebensblütengeruch strömet um sie herum; Engelfittige rauschen, Und die goldene Krone winkt. Erd' und Himmel entfloh, als ich dich, Dafne, sah;
Als dein purpurner Mund schüchtern mir lächelte, Als dein athmender Busen Meinen Blicken entgegen stieg. Unbekanntes Gefühl bebte zum erstenmal
Durch mein jugendlich Herz; froh wie Anakreon, Goss ich Flammen der Seele In mein zitterndes Saitenspiel. Eine Nachtigall flog, als ich mein erstes Lied,
Süsse Liebe, dir sang, flötend um mich herum; Und es taumelten Blüten Auf mein lispelndes Spiel herab. Seit ich Dafnen erblickt, raucht kein vergossenes
Blut durch meinen Gesang, spend' ich den Königen Keinen schmeichelnden Lorber, Sing' ich Mädchen und Mädchenkuss.
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