Ludwig Christoph Heinrich Hölty
Du süsses Mädchen? wehet das Flügelkleid Dir an der Schulter? bebt der Strauss dir Schon an der wallenden schönen Brust auf? Ein süsses Zittern zittert durch mein Gebein,
Wann mir dein Bildniss lächelnd entgegen tanzt, Wann ichs auf meinem Schoosse wiege, Und an den klopfenden Busen drücke. Der Garten taumelt; rötheres Abendroth
Durchströmt die Blätter, purpert die Maienluft; Wie Engelflügel niedersäuseln, Rauschet die Laube vom Kussgelispel. An deiner Leinwand flattert vielleicht mein Bild
Dir auch entgegen, schmiegt sich an deine Brust, Und eine Sehnsuchtsthräne träufelt Ueber die seidenen Purpurblumen. Seid mir gesegnet, Thränen! Ihr flosset mir!
Bald schlägt die Stunde! Ach dann entküss' ich euch Dem blauen Aug, der weissen Wange; Trinke den Taumel der Erdenwonne! An voller Quelle weil' ich, und schöpfe mir
Der Freuden jede, Himmel auf Himmel mir, Sie, deren Seelen mich umschwebten, Wann ich im Haine der Zukunft träumte! Blüh' unterdessen schöner und schöner auf,
Du süsses Mädchen! Leitet, ihr Tugenden, Wie eine Schaar von Schwesterengeln, Sie durch die Pfade des Erdenlebens! Ein reinrer Aether lache herab auf dich!
Tönt, Nachtigallen, wann sich der Abend neigt, Im Apfelbaum vor ihrem Fenster, Goldene Träum' um ihr Mädchenbette! Doch süssre Träume thaue das Morgenroth
Um deine Schläfen, Träume der Serafim, Wann jener Tag dem Meer' entschimmert, Da ich dich unter den Blumen finde!
Cookies on Poetry Cove