Skip to content
1748–1776

Der Weiberfeind.

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Kein Augenpaar, Aus welchem tausend Engel blicken, Kein blondes Haar! Kein Mund, um den das Lächeln schwebet,

Und keine Brust, Von dünnem Silberflor umwebet, Füllt mich mit Lust! Ein Wuchs, den Venus selber neidet,

Und eine Hand, Die Persien in Perlen kleidet, Ist Kindertand! Ich sollte mich darein vergaffen?

Ei grossen Dank! Ich werde nicht, wie junge Laffen, Vor Liebe krank! Mir ward ein Herz von Eis beschieden,

Ein Felsensinn! Drum wandl' ich auch in süssem Frieden Durchs Leben hin; Geh immer, in der Brust den Himmel,

Geraden Pfad; Durchtaumle niemals das Gewimmel Der goldnen Stadt! Und trink' in meiner Weinblattlaube

Den Göttersaft Der röthelnden Burgundertraube, Voll Geist und Kraft! Sollt' ich dafür in Gallaröcken,

Vor Liebe krank, Der Fräulein gnädge Hände lecken? Ei grossen Dank! Sollt' ich den Rosenkelch verlassen?

Die Nachtigall? Auf eines Mädchens Winke passen, Bei Spiel und Ball? Ich würde, kämen ganze Gruppen

Von Mädchen, traun! Nicht aus der Laube gehn, die Puppen Nur anzuschaun!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Weiberfeind. · Ludwig Christoph Heinrich Hölty · Poetry Cove