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1748–1776

Der arme Wilhelm.

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

verlassene Wilhelm Wünschte den Tod, und besuchte nicht mehr den geflügelten Reigen, Nicht das Ostergelag und das Fest der bemaleten

Eier, Nicht den gaukelnden Tanz um die Osterflamme des Hügels. Einsam war er, und still wie das Grab, und glaubte

mit jedem Tritt in die Erde zu sinken. Die Knaben und Mädchen des Dorfes Brachen Main, und schmückten das Haus und die

ländliche Diele, Und begrüssten den heiligen Abend vor Pfingsten mit Liedern. Wilhelm floh das Gewühl der beglückten fröhlichen

Leute, Wandelt' über den Gottesacker, und ging in die Kirche, Nahm den Kranz der geliebten Braut von der Wand,

und kniete An dem Altar, und barg das Gesicht in die Blumen des Kranzes, Flehte weinend zu Gott: O entnim mich der Erde,

mein Vater! Ruf mich zu meiner Entschlummerten! Doch dein Wille geschehe! Lispelnd bebte das Gold und die Flitterblumen des

Kranzes, Lieblich rauschten die flatternden Bänder, wie Blät- ter im Winde, Und ein fliegender Lichtglanz flog durch die Fenster

der Kirche. Ruhiger wandelte Wilhelm nach Haus. Bald hörten die Schwestern Drauf die Todtenuhr in der Kammer pickern, und

sahen Auf der Diele den Sarg, und den Pfarrer im Mantel daneben; Und das Leichhuhn schlug an die Kammerfenster,

und heulte. Wenige Wochen, da starb der verlassene traurige Wilhelm, Und sein grünendes Grab ragt hart am Grabe des

Mädchens.

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