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1748–1776

Christel und Hannchen.

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Und das Gold der sinkenden Sonn' umbebte die Aehren Und die ragenden Garben, als Schnitter Christel sein Hannchen Rief zum duftenden Busch, wo tausend ländliche

Grillen Liebe zirpten und Ruh. Sie waren beide verlobet, Harrten beid' entgegen der Stunde der frohen Vermählung.

Christel hatt' ihr bereits, zum Pfande der bräutlichen Treue, Eine Bibel geschenkt, und ein rothvergoldetes Psalmbuch;

Und das liebende Mädchen, zur Gegengabe, dem Jüngling Einen prunkenden Hut und statliche Bräutigams- hemde.

Von der Abendkühle des dämmernden Strauches umsäuselt, Ruhte das glückliche Paar; indess die Schnitter und Mädchen

Ihre Kleider suchten, sich haschten, und scherzten und sangen. Bald beginnet der Tag des Hochzeitkranzes, o Hannchen!

Bald, bald nenn' ich dich Weib, und theile die Sorgen der Wirtschaft, Hannchen, Hannchen, mit dir! Bewehn die Winde die Stoppeln,

Rötheln vom bunten Baume die Aepfel uns heller entgegen; Dann beginnet der Tag des Hochzeitkranzes, o Hannchen!

Jede kommende Nacht umschwebt mich dein lächelndes Bildniss, Bald im Hochzeitgeschmuck, von rothen Bändern umflattert,

Bald im Schnitterhütchen, im blauen Kranze der Ernte. Dann erwach' ich, und hasche dein Bild, und horche der Grille, Und ein Seufzer entfliegt zu deiner einsamen Hütte.

Lieber Christel! lispelte Hannchen, und drückt' ihm die Hände, Und verstummt' ein Weilchen: o mehr, als Vater und Mutter,

Lieb' ich dich, Christel, und will, so lang' ich athme, dich lieben! Alles wird mir so wehrt, was deine Hände berühren, Als ein Patengeschenk. Seit du mir die Bibel

geschenkt hast, Les' ich so fleissig darin, und zeichne die schönen Geschichten Von Rebekka, und Rahel, und Judith, mit goldenen

Bildern. Schon entstieg der freundliche Mond dem Thau- gewölke, Und die zitternden Weizenwogen schwammen in

Silber; Da ergriffen die Schnitter die Sensen, und schäkerten Christeln Und sein erröthendes Hannchen aus ihrem trauten

Geschwäze.

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