Ludwig Christoph Heinrich Hölty
Fasst der Donnergedanke mich; Dann bewölkt sich mein Blick, starret zur Erd' hinab, Schaut nur Bilder der Traurigkeit. Ernst, mit finsterer Stirn, wandelt die Stunde her,
Die mich fernet von meinem Freund, Wandelt ernster, und schnell fliegt der gezuckte Dolch In mein blutendes Herz hinab. Eh dem Baume das Laub röthlich und gelb entweht,
Kommt der finstere Scheidetag, Stürmt die Freunde hinweg, zucket und stürzt den Dolch In mein blutendes Herz hinab. Wann nun wieder den Baum schattendes Grün umrauscht,
Irr' ich einsam von Strauch zu Strauch: Vor des Einsamen Blick schliessen sich Blumen zu, Und die rieselnde Quelle weint, Und vom Nachtigallbusch tönet mir Seufzerlaut.
Ach die Seelen der Abende, Die uns Freunden entflohn, sammeln sich dann um mich, Schön und lächelnd wie Serafim, Und die Bilder der Ruh, welche die Frühlingsnacht
Auf uns Glückliche niedergoss, Deines trauten Gesprächs werd' ich und Freundesblicks Dann begehren; und ach umsonst! Deines Tugendgesangs, welcher mich himmelan
Oft geflügelt; und ach umsonst! In den Lauben des Mais, funkelt der Abendstern Durch die Blüten, der oft belauscht Unsrer Herzen Erguss, werd' ich dich spähn, den Arm
Nach dir strecken; und ach umsonst! Nicht der flammende Wunsch, nicht der bethränte Blick Bringt dich wieder in meinen Arm; Und mein Klagegesang ruft der Vergangenheit,
Bis mich hüllet die Rasengruft. Und die hüllet mich bald! Lispelt das Rebengrün, Wo du horchest der Nachtigall, Zittert eine Gestalt, dämmernd in mildem Glanz,
Leises Fluges vor dir vorbei, Winkt und lächelt dir zu; Miller, es ist dein Freund! Durch die Blumen des Gartenbeets Weht der Schatten dahin: Ahndung durchbebt dein Herz,
Und du schauerst vom Rasen auf, Wandelst näher, und brichst, freudiger Wehmut voll, Dir die Blume, die, wankend noch Von des fliehenden Freunds Schimmergewand', im Thau
Seiner rinnenden Zähre glänzt.
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