Skip to content
1772

An Gott

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Du Gott der Langmuth, gehe nicht ins Gericht Mit deinem Knechte! Niedergestürzt in Staub, Bekenn ich, mit zerknirschtem Herzen, Meine begangenen Jugendfehle,

Und flehe Gnade! Taumelnd vom süßen Wahn Der Erdenfreude, schwankt ich von Tand zu Tand, Und liebte dich, und meinen Heiland Nicht mit der vorigen Feuerinbrunst.

Ein buntes Blümchen, das der Verwelkung wuchs, War meine Gottheit! Zürne des Jünglings nicht, Der Opferschalen deines Altars Einer verwelkenden Blume weihte!

Ach, heißres Feuers, liebt ich ein sterblich Weib Als meinen Mittler, der mich entsündigte, Vergaß des Himmels und der Hölle, Träumte mir irdische Seligkeiten.

Im Beichtstuhl selber, donnere nicht so laut Du innrer Richter! wann mir die Segenshand Des Priesters auf der Scheitel ruhte, Brannte das Mädchen mir tief im Marke.

An deinem Tische, Bluter auf Golgatha, War Laura meiner Seele Gefühl und Wunsch, Und Sehnsuchtsthränen, ihr geweinet, Träufelten über den Kelch des Bundes.

Du Gott der Langmuth, gehe nicht ins Gericht Mit deinem Knechte! Dir ist des Sünders Tod Nicht Wohlgefallen! Nie verschloß sich Reuigen Thränen dein Herz, o Vater!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
An Gott · Ludwig Christoph Heinrich Hölty · Poetry Cove