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1772

[An Damon]

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Auf die Erde zu kommen, Mädchenbildung Anzunehmen, und unsre Heimathsfluren In ein blühendes Eden umzuzaubern. Lebt' ich tausend und tausend Jahr, ich würde

Nie was Schöners erblicken. Ihre Wange Gleicht der Blüthe des Pfirsich, rothen Rosen Gleicht ihr Mündlein. Aus ihrem blauen Auge Bickt die Milde des Herzens. Sähst du ihres

Mundes liebliches Lächeln, traun, du würdest In den Himmel zu blicken glauben. Aber, Ach, du wirst sie wohl nimmer sehen, bis du Sie dereinstens im Paradiese Gottes,

Unter Engeln itzt wandeln, itzt an meinem Arme lichthell und lächelnd hüpfen siehest. Weine, Damon, mit mir! Sie war einst meiner Blüthenjahre Gespielin, war mir lieber,

Als mein Leben. Ein Mißverhängniß bannte Sie in ferne Gefilde. Nimmer, nimmer Wird dies Auge sie schauen. Veilchen will ich Auf die Spuren des süßen Liebchens streuen,

Naßgeweinte Veilchen, will mich ihres Seelenlächelns erinnern, und dann sterben.

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