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1748–1776

Adelstan und Röschen.

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Und alles wurde froh, Als Ritter Veit von Adelstan Der Königsstadt entfloh. Von Geigern und Kastraten fern

Und vom Redutentanz, Vertauscht' er seinen goldnen Stern Mit einem Schäferkranz. Der Schooss der Au, der Wiesenklee

Verlieh ihm süssre Rast, Als Himmelbett' und Kanapee Im fürstlichen Palast. Er irrte täglich durch den Hain,

Mit einer Brust voll Ruh, Und sah dem Spiel' und sah dem Reihn Der Dörferinnen zu; Sah unter niederm Hüttendach

Der Schäferinnen Preis: Und plözlich schlug sein Herzensschlag Wol noch einmal so heiss. Sie wurden drauf gar bald vertraut;

Was Wunder doch! Er war Ein Mann von Welt und wohlgebaut, Und Röschen achzehn Jahr. Sie gab, durch manchen Thränenguss

Erweichet, ihm Gehör; Zuerst bekam er einen Kuss Zulezt noch etwas mehr. Izt wurde, nach des Hofes Brauch,

Sein Busen plözlich lau: Er sass nicht mehr am Schlehenstrauch Mit Röschen auf der Au. Des Dorfes und des Mädchens satt,

Warf er sich auf sein Ross, Flog wieder in die Königsstadt, Und in sein Marmorschloss. Hier taumelt' er von Ball zu Ball,

Vergass der Rasenbank, Wo beim Getön der Nachtigall Sein Mädchen ihn umschlang. Und Röschen, die auf Wiesengrün

Im Haselschatten sass, Sah Mann und Ross vorüberfliehn, Und wurde todtenblass. Mein Adelstan! ich armes Blut!

Er sah und hörte nicht, Und drückte sich den Reisehut Nur tiefer ins Gesicht. Sie zupft', auf ihren Hirtenstab

Gelehnt, am Busenband, Bis er dem Ross die Spornen gab, Und ihrem Aug' entschwand; Und schluchzt', und warf sich in das Gras,

Verbarg sich ins Gesträuch, Weint ihren schönen Busen nass, Und ihre Wangen bleich. Kein Tanz, kein Spiel behagt' ihr mehr.

Kein Abendroth, kein West; Das Dörfchen dünkt ihr freudenleer, Die Flur ein Otternnest. Ein melancholisch Heimchen zirpt

Vor ihrer Kammerthür; Das Leichhuhn schreit. Ach Gott! sie stirbt, Des Dorfes beste Zier. Die dumpfe Todtenklocke schallt

Drauf in das Dorf. Man bringt Den Sarg daher. Der Küster wallt Der Bahre vor, und singt. Der Pfarrer hält ihr den Sermon,

Und wünscht dem Schatten Ruh, Der diesem Jammerthal' entflohn, Und klagt und weint dazu. Man pflanzt ein Kreuz, mit Flittergold

Bekränzet, auf ihr Grab; Und auf den frischen Hügel rollt So manche Thrän' hinab. Es wurde Nacht. Ein düstrer Flor

Bedeckte Thal und Höhn; Auch kam der liebe Mond hervor, Und leuchtete so schön. Vernehmt nun, wies dem Ritter ging!

Der Ritter lag auf Pflaum, Um welchen Gold und Seide hing, Und hatte manchen Traum. Er zittert auf. Mit blauem Licht

Wird sein Gemach erfüllt. Ein Mädchen trit ihm vors Gesicht, Ins Leichentuch verhüllt. Ach! Röschen ists, das arme Kind,

Das Adelstan berückt! Die Rosen ihrer Wangen sind Vom Tode weggepflückt. Sie legt die eine kalte Hand

Dem Ritter auf das Kinn, Und hält ihr moderndes Gewand Ihm mit der andern hin; Blickt drauf den ehrvergessnen Mann,

Den Schauer überschleicht, Dreimal mit hohlen Augen an, Und wimmert und entweicht. Sie zeigte, wann es zwölfe schlug,

Jezt alle Nächte sich, Verhüllet in ein Todtentuch, Und wimmert' und entwich. Der Ritter fiel in kurzer Zeit

Drob in Melancholei, Und ward, verzehrt von Traurigkeit, Des Todes Konterfei. Mit einem Dolch bewaffnet floh

Er aus der Stadt, und lief Zum Gottesacker hin, alwo Das arme Röschen schlief; Wankt' an die frische Gruft, den Dolch

Dem Herzen zugekehrt, Und sank. Folg! ruft ein Teufel, folg! Und seine Seel' entfährt. Der Dolch ging mitten durch das Herz,

Entsezlich anzuschaun! Die Augen starrten himmelwärts, Und blickten Furcht und Graun. Sein Grab ragt an der Kirchhofmaur.

Der Landmann, der es sieht, Wenns Abend wird, fühlt kalten Schaur, Und schlägt ein Kreuz, und flieht. Auch pflegt er, bis die Hahnen krähn,

Den Blutdolch in der Brust, Mit glühnden Augen umzugehn, Wie männiglich bewusst.

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