Skip to content
1786

Gedicht

Friedrich Hölderlin

Lang wars der heiße inniggefühlte Wunsch Des Jünglings, lange – ! oft der Gedank der Stund, Die feurig hinwies zur Vollkommenheit – Wie ihm im Busen glühe die Ehrfurcht,

Dirs hinzusagen! Aber der deutscheren Gemütseröffnung winkte mit zärtlichem – Mit ihrem Mutterblick die Sittsamkeit Stille zu stehn – dem strömenden Danke.

Du kommst – jetzt winke gutgemeint immerhin Die Sittsamkeit! Die Lippe bebt nimmer mir! Franziska ists, Franziska! Ha, es bebt Nimmer die Lippe furchtsames Stammeln!

Weh über dich, du Menschenfeind, grausamer Bedrücker du des Schwächeren neben dir! Dems zu alltäglich ist, vom Jammerblick, Von dem entblößten Hungergerippe

Erweicht zu werden – Schaue die liebende Erhalterin, wie ringsum sie Lächeln streut! Schon sank der Pilger dort der Grube zu; Wie er so ruhig jetzt auf die Leiden

Zurückblickt! Dann du rettetest ihn, dann du, Franziska, gossest Balsam ihm in die Wund! – – Zu weit hab ich den Mund schon aufgetan, Siehe, die Lippe bebt, ich verstumme. – –

Es sags der Greis nur, welchem der Lorbeerlohn Am glänzendsten die Stirne umfließt! Es sei Franziska ihm der letzte Erdgedank, Und er entsinke ruhig dem Stabe.

Und Carln die tätge Hände zu weihen, sei Des Mannes erster feurigster Trieb! und dann – Ists auch dem Jüngling dann gegönnt, für Carln Leb er hienieden, leise zu denken?

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Gedicht · Friedrich Hölderlin · Poetry Cove