Wie dank' ich dir, du Liebe, daß du mir Vertrauen abgewonnen, daß ich dir Mein still Geheimniß ausgesprochen. Ich bin nun ruhiger ‒ wie nenn' ichs dir?
Und an die schönen Tage denk' ich, wenn ich oft Hinaus ging mit dem Bruder, und wir oben Auf unserm Hügel beieinander saßen, Und ich den Lieben bei den Händen hielt,
Und mirs gefallen ließ am offnen Feld' Und an der Straß', und ins Gewölb' hinauf Des grünen Ahorns staunt', an dem wir lagen. Ein Sehnen war in mir, doch war ich still.
Es blühten uns der ersten Hoffnung Tage, Die Tage des Erwachens. Holde Dämm'rung! So schön ists, wenn die gütige Natur
Ins Leben lockt ihr Kind. Es singen nur Den Schlummersang am Abend unsre Mütter. Sie brauchen nie das Morgenlied zu singen. Dieß singt die andre Mutter uns, die gute;
Die wunderbare, die uns Lebenslust In unsern Busen athmet, uns mit süßen Verheißungen erweckt. Wie ist mir, Liebe!
Ich kann an Jugend heute nur, und nur An Jugend denken. Sieh! ein heitrer Tag Ists eben auch. Seit frühem Morgen sitz' ich
Am lieben Fenster, und es wehn die Lüfte, Die zärtlichen, herein, mir blickt das Licht Durch meine Bäume, die zu nahe mir Gewachsen sind, und mählig mit den Blüthen
Das ferne Land verhüllen, daß ich mich Bescheiden muß, und hie und da noch kaum Hinaus mich find' aus diesem freundlichen Gefängniß! und es fliegen über ihnen
Die Schwalben und die Lerchen, und es singen Die Stunde durch genug die Nachtigallen, Und wie sie heißen, all die Lieblinge Der schönen Jahrszeit; eigne Namen möcht'
Ich ihnen geben, und den Blumen auch, Den stillen, die aus dunklem Beete duften, Zu mir herauf wie junge Sterne glänzend. Und wie es lebt und glücklich ist im Wachsthum,
Und seiner Reise sich entgegen freut! Es findet jedes seine Stelle doch, Sein Haus, die Speise, die das Herz ihm sättigt, Und jedes segnest du mit eignem Segen,
Natur! und giebst dich ihnen zum Geschäft, Und trägst und nährst zu ihrer Blüthenfreud' Und ihrer Frucht sie fort, du gütige! Und klagtest du doch öfters, trauernd Herz!
Vergaßest mir den Glauben, danktest nicht, Und dachtest nicht, wenn dir dein Thun zu wenig Bedeuten wollt', es sey ein frommes Opfer, Das du, wie andre, vor das Leben bringest,
Wohl meinend, wie der Lerche Lied, das sie Den Lüften singt, den freudegebenden. — Nun geh' ich noch hinaus und hole Blumen, Dem Vater aus dem Feld', und bind' ihm sie
In Einen Straus, die drunten in dem Garten, Und die der Bach erzog; ich wills schon richten, Daß ihm's gefallen soll. Und dir? dir bring' ich Genug des Neuen. Da ist's immer anders.
Jetzt blühn die Weiden; jetzt vergolden sich Die Wiesen; jetzt beginnt der Buche Grün, Und jetzt der Eiche ‒ nun! leb' wohl indessen!
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