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1770–1843

Emilie an Klara .

Friedrich Hölderlin

Da schrieb er mir. Ja theures Herz! er ists, Den ich gesucht. Wie dieser Jüngling mich Demüthiget und hebt! Nun! lies es nur! „so bist du's wieder und ich habe dich

„gegrüßt, gefunden, habe dich noch Einmal „in deiner frommen Ruh' gestört, du Kind „des Himmels! — Nein, Emilie! du kanntest „mich ja. Ich kann nicht fragen. Wir sind's,

„die Längstverwandten, die der Gott getraut, „und bleiben wird es, wie die Sonne droben. „ich bin voll Freude, schöne Seele! bin „der neuen Melodien ungewohnt.

„es ist ein anders Lied, als jenes, so „dem Jünglinge die Parze lehrend singt, „bis ihm, wie Wohllaut, ihre Weise tönt; „dann gönnt sie ihm, du Friedliche! von dir

„den süßern Ton, den liebsten, einzigen, „zu hören. Mein? o sieh! du wirst in Lust „die Mühe mir, und, was mein Herz gebeut, „du wirst es all in heilge Liebe wandeln.

„und hab' ich mit Unmöglichem gerungen, „und mir die Brust zu Treu und Ruh gehärtet, „du wärmest sie mit frommer Hoffnung mir, „daß sie vertrauter mit dem Siege schlägt.

„und wenn das Urbild, das, wie Morgenlicht, „mir aus des Lebens dunkler Wolke stieg, „das Himmlische, mir schwindet, seh' ich dich, „und, eine schöne Götterbotin, mahnst

„du lächelnd mich an meinen Phöbus wieder; „und wenn ich zürne, sänftigest du mich. „dein Schüler bin ich dann, und lausch' und lerne. „von deinem Munde nehm' ich, Zauberin

„des Ueberredens süße Gabe mir, „daß sie die Geister freundlich mir bezwingt; „und wenn ich ferne war von dir, und wund „und müd dir wiederkehre, heilst du mich,

„und singst in Ruhe mich, du holde Muse!

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