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1770–1843

Emilie an Klara .

Friedrich Hölderlin

Er woll' ihn morgen sprechen, sagte mir Mein Vater, morgen! und er schien nicht freundlich. Nun sitz' ich hier und meine Augen ruhn Und schlummern nicht; — ach! schämen muß ich mich,

Es dir zu klagen, — will ich stille werden, So regt ein Laut mich auf; ich sinn' und bitte, Und weiß nicht, was? und sagen möcht' ich viel, Doch ist die Seele stumm; — o fragen möcht' ich

Die sorgenfreien Bäume hier, die Stralen Der Nacht und ihre Schatten, wie es nun Mir endlich werden wird. Zu still ist's mir

In dieser schönen Nacht, und ihre Lüfte Sind mir nicht hold, wie sonst. Die Thörin! So lang er ferne war, so liebt' ich ihn; Nun bin ich kalt, und zag' und zürne mir

Und andern. — Auch die Worte, so ich dir In dieser bösen Stunde schreibe, lieb' Ich nicht, und was ich sonst von ihm geschrieben, Unleidlich ist es mir. Was ist es denn?

Ich wünsche fast, ich hätt' ihn nie gesehn. Mein Friede war doch schöner. Theures Herz! Ich bin betrübt, und anders, denn ichs war, Da ich um den Verlornen trauerte.

Ich bin es nimmer, nein! ich bin es nicht, Ich bin nicht gut, und seellos bin ich auch. Mich läßt die Furcht, die häßliche, nicht ruhn. O daß der goldne Tag die Ruhe mir,

Mein eigen Leben wiederbrächt'! — Ich will Geduldig seyn, und wenn der Vater ihn Nicht ehrt, mir ihn versagt, den Theuren,

So schweig' ich lieber, und es soll mir nicht Zu sehr die Seele kränken; kann ich still Ihn ehren doch, und bleiben, wie ich bin.

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