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1770–1843

Diotima .

Friedrich Hölderlin

Leuchtest Du wie vormals nieder, Goldner Tag! und sprossen mir Des Gesanges Blumen wieder Lebenathmend auf zu Dir?

Wie so anders ist's geworden! Manches, was ich traurig mied, Stimmt in freundlichen Akkorden Nun in meiner Freude Lied,

Und mit jedem Stundenschlage Werd' ich wunderbar gemahnt An der Kindheit stille Tage, Seit ich sie, die Eine, fand.

Diotima! edles Leben! Schwester, heilig mir verwandt! Eh' ich Dir die Hand gegeben, Hab' ich ferne Dich gekannt.

Damals schon, da ich in Träumen, Mir entlokt vom heitern Tag, Unter meines Gartens Bäumen, Ein zufriedner Knabe lag,

Da in leiser Lust und Schöne Meiner Seele Mai begann: Säuselte, wie Zephyrstöne, Göttliche! Dein Hauch mich an.

Ach! und da, wie eine Sage, Jeder frohe Gott mir schwand, Da ich vor des Himmels Tage Darbend, wie ein Blinder, stand,

Da die Last der Zeit mich beugte, Und mein Leben, kalt und bleich, Sehnend schon hinab sich neigte In der Todten stummes Reich:

Wünscht' ich öfters noch, dem blinden Wanderer, dies Eine mir, Meines Herzens Bild zu finden Bei den Schatten oder hier.

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