Skip to content
1770–1843

Die Nacht .

Friedrich Hölderlin

Rings um ruhet die Stadt, still wird die erleuchtete Gasse, Und mit Fackeln geschmückt rauschen die Wagen hinweg.

Satt gehen heim, von Freuden des Tags zu ruhen, die Menschen, Und Gewinn und Verlust wäget ein sinniges Haupt Wohl zufrieden zu Haus; leer steht von Trauben

und Blumen, Und von Werken der Hand ruht der geschäftige Markt. Aber das Saitenspiel tönt fern aus Gärten; viel-

leicht, daß Dort ein Liebender spielt, oder ein einsamer Mann Ferner Freunde gedenkt und der Jugendzeit; und die Brunnen,

Immerquillend und frisch, rauschen an duftendem Beet. Still in dämmriger Luft ertönen geläutete Glocken, Und der Stunden gedenk rufet ein Wächter die

Zahl. Jetzt auch kommet ein Wehn und regt die Gipfel des Hains auf, Sieh! und das Ebenbild unserer Erde, der Mond

Kommet geheim nun auch; die Schwärmerische, die Nacht kommt, Voll mit Sternen und wohl wenig bekümmert um uns,

Glänzt die Erstaunende dort, die Fremdlingin unter den Menschen, Ueber Gebirgeshöhn traurig und prächtig herauf.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Die Nacht . · Friedrich Hölderlin · Poetry Cove