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1770–1843

Der Mensch .

Friedrich Hölderlin

Kaum sproßten aus den Wassern, o Erde, dir Der alten Berge Gipfel; und dufteten, Voll junger Wälder, durch die Mailuft, Ueber den Ocean hin, lustathmend,

Die ersten grünen Inseln; und freudig sah Des Sonnengottes Auge die Erstlinge, Die Bäum und Blumen, seiner Jugend Lächelnde Kinder, aus Dir geboren.

Da auf den Inseln schönsten, Lag unter Trauben einst, nach lauer Nacht, in der dämmernden Morgenstunde, Geboren dir, o Erde, dein schönstes Kind;

Und auf zum Vater Helios sieht bekannt Der Knab' und weiht und wählt, die süssen Beere versuchend, die heil'ge Rebe Zur Amme sich. Und bald ist er groß; ihn scheun

Die Thiere, denn ein Anderer ist, wie sie, Der Mensch; nicht dir und nicht dem Vater Gleicht er . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ach! darum treibt ihn, Erde! vom Herzen dir

Sein Uebermuth, und deine Geschenke sind Umsonst, die zärtlichen, zu hoch schlägt Immer und immer der stolze Busen. Von seines Ufers duftender Wiese muß

Ins blüthenlose Wasser hinaus der Mensch, Und glänzte auch, wie die Sternennacht, von Goldenen Früchten sein Hain, doch gräbt er Sich Höhlen in den Bergen und späht im Schacht,

Von seines Vaters heiligem Strale fern, Dem Sonnengott auch ungetreu, der Knechte nicht liebt und der Sorgen spottet. Ach! freier athmen Vögel des Walds, wenn schon

Des Menschen Brust sich wilder und stolzer hebt, Sein Trotz wird Angst, und seines Friedens Blume, die zärtliche, blüht nicht lange.

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