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1770–1843

Der gefesselte Strom .

Friedrich Hölderlin

Was schläfst und träumst Du, Jüngling! gehüllt in Dich, Und säumst am kalten Ufer, Geduldiger, Und achtest nicht des Ursprungs, Du, des

Oceans Sohn, des Titanenfreundes? Die Liebesboten, welche der Vater schickt, Kennst Du die lebenathmenden Lüfte nicht? Und trifft das Wort Dich nicht, das hell von

Oben der wachende Gott Dir sendet? — Schon tönt, schon tönt es ihm in der Brust! es quillt, Wie da er noch im Schoose der Felsen spielt',

Ihm auf; und nun gedenkt er seiner Kraft, der Gewaltige, nun, nun eilt er, Der Zauderer, er spottet der Fesseln nun, Und nimmt und bricht und wirft die zerbrochenen

Im Zorne, spielend, da und dort zum Schallenden Ufer; und von der Stimme Des Göttersohns erwachen die Berge rings, Es regen sich die Wälder, es hört die Kluft

Den Herold fern, und schaudernd regt im Busen der Erde sich Freude wieder. Der neue Frühling dämmert, es blüht um ihn; Er aber wandelt hin zu Unsterblichen;

Denn nirgend darf er bleiben, als wo Ihn in die Arme der Vater aufnimmt.

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