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1770–1843

Der Abschied .

Friedrich Hölderlin

Trennen wollten wir uns? wähnten es gut und klug? Da wirs thaten, warum schreckte, wie Mord, die That? Ach! wir kennen uns wenig,

Denn es waltet ein Gott in uns. Den verrathen? ach ihn, welcher uns alles erst, Sinn und Leben erschuf, ihn, den beseelenden Schutzgott unserer Liebe,

Dieß, dieß Eine vermag ich nicht. Aber anderen Fehl denket der Menschen Sinn, Andern ehernen Dienst übt er und anders Recht, Und es fordert die Seele

Tag für Tag der Gebrauch uns ab. Wohl! ich wußt' es zuvor. Seit der gewurzelte Allentzweiende Haß Götter und Menschen trennt, Muß, mit Blut sie zu sühnen,

Muß der Liebenden Herz vergehn. Laß mich schweigen! o laß nimmer von nun an mich Dieses Tödtliche sehn, daß ich im Frieden doch Hin ins Einsame ziehe,

Und noch unser der Abschied sey! Reich die Schale mir selbst, daß ich des rettenden Heil'gen Giftes genug, daß ich des Lethetranks Mit Dir trinke, daß alles

Haß und Liebe vergessen sey! Hingehn will ich. Vielleicht seh' ich in langer Zeit Diotima! Dich hier. Aber verblutet ist Dann das Wünschen und friedlich

Gleich den Seligen, fremd sind wir. Und ein ruhig Gespräch führet uns auf und ab, Sinnend, zögernd, doch itzt faßt die Vergessenen Hier die Stelle des Abschieds,

Es erwarmet ein Herz in uns, Staunend seh' ich dich an, Stimmen und süßen Sang, Wie aus voriger Zeit, hör' ich und Saitenspiel, Und befreiet in Flammen

Fliegt in Lüfte der Geist uns auf.

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