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1806

Dem Sonnengott

Friedrich Hölderlin

Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir Von aller deiner Wonne; denn eben ists, Daß ich gesehn, wie, müde seiner Fahrt, der entzückende Götterjüngling

Die jungen Locken badet' im Goldgewölk; Und jetzt noch blickt mein Auge von selbst nach ihm; Doch fern ist er zu frommen Völkern, Die ihn noch ehren, hinweggegangen.

Dich lieb ich, Erde! trauerst du doch mit mir! Und unsre Trauer wandelt, wie Kinderschmerz, In Schlummer sich, und wie die Winde Flattern und flüstern im Saitenspiele,

Bis ihm des Meisters Finger den schönern Ton Entlockt, so spielen Nebel und Träum um uns, Bis der Geliebte wiederkömmt und Leben und Geist sich in uns entzündet.

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Dem Sonnengott · Friedrich Hölderlin · Poetry Cove