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1799

An eine Fürstin von Dessau

Friedrich Hölderlin

Aus stillem Hause senden die Götter oft Auf kurze Zeit zu Fremden die Lieblinge, Damit, erinnert, sich am edlen Bilde der Sterblichen Herz erfreue.

So kommst du aus Luisiums Hainen auch, Aus heilger Schwelle dort, wo geräuschlos rings Die Lüfte sind und friedlich um dein Dach die geselligen Bäume spielen,

Aus deines Tempels Freuden, o Priesterin! Zu uns, wenn schon die Wolke das Haupt uns beugt Und längst ein göttlich Ungewitter ... über dem Haupt uns wandelt.

O teuer warst du, Priesterin! da du dort Im Stillen göttlich Feuer behütetest, Doch teurer heute, da du Zeiten Unter den Zeitlichen segnend feierst.

Denn wo die Reinen wandeln, vernehmlicher Ist da der Geist, und offen und heiter blühn Des Lebens dämmernde Gestalten Da, wo ein sicheres Licht erscheinet.

Und wie auf dunkler Wolke der schweigende, Der schöne Bogen blühet, ein Zeichen ist Er künftger Zeit, ein Angedenken Seliger Tage, die einst gewesen,

So ist dein Leben, heilige Fremdlingin! Wenn du Vergangnes über Italiens Zerbrochnen Säulen, wenn du neues Grünen aus stürmischer Zeit betrachtest.

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