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1770–1843

5.

Friedrich Hölderlin

Aber indeß wir schaun und die mächtige Freude durchwandeln, Fliehet der Weg und der Tag uns, wie den Trunkenen, hin.

Denn mit heiligem Laub umkränzt erhebet die Stadt schon, Die gepriesene, dort, leuchtend ihr priesterlich Haupt.

Herrlich steht sie, und hält den Rebenstab und die Tanne Hoch in den seligen purpurnen Wolken empor. Sey uns hold, dem Gast und dem Sohn, o Für-

stin der Heimath, Glückliches Stuttgart! nimm freundlich den Fremdling mir auf! Immer hast du Gesang mit Flöten und Saiten

gebilligt, Wie ich glaub', und des Lieds kindlich Geschwätz, und der Mühn Süße Vergessenheit bei gegenwärtigem Geiste,

Drum erfreuest du auch gerne den Sängern das Herz. Aber ihr, ihr Größeren auch, ihr Frohen, die allzeit

Leben und walten, erkannt, oder gewaltiger auch, Wenn ihr wirket und schafft in heiliger Nacht und alleinherrscht, Und allmählig emporziehet ein ahnendes Volk,

Bis die Jünglinge sich der Väter droben erinnern, Mündig und hell vor euch steht der besonnene Mensch. Engel des Vaterlands! o ihr, vor denen das Auge,

Sey's auch stark, und das Knie bricht dem vereinzelten Mann, Daß er halten sich muß an die Freund' und bitten die Theuern,

Daß sie tragen mit ihm all die beglückende Last, Habt, o Gütige, Dank für den und alle die Andern, Die mein Leben, mein Gut unten den Sterb- lichen sind.

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