Skip to content
1770–1843

2.

Friedrich Hölderlin

Aber meinest du nun, es haben die Thore ver- gebens Aufgethan und den Weg freudig die Götter gemacht?

Und es schenken umsonst zu des Gastmahls Fülle die Guten Nebst dem Weine noch auch Blumen und Honig und Obst?

Schenken das purpurne Licht zu Festgesängen, und kühl und Ruhig zu tieferem Freundesgespräche die Nacht? Hält ein Ernsteres dich, so spar's dem Winter,

und willst du Freien, habe Geduld, Freier beglücket der Mai. Jetzt ist Anderes Noth, jetzt komm und feire des Herbstes

Alte Sitte, noch jetzt blühet die edle mit uns. Eins nur gilt für den Tag, das Vaterland, und des Opfers Festlicher Flamme wirft jeder sein Eigenes zu.

Darum kränzt der gemeinsame Gott umsäuselnd das Haar uns, Und den eigenen Sinn schmelzet, wie Perlen, der Wein.

Dieß bedeutet der Tisch, der gelehrte, wenn, wie die Bienen, Rund um den Eichbaum, wir sitzen und singen um ihn.

Dieß der Pokale Klang und darum zwinget die wilden Seelen der streitenden Männer zusammen der Chor.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
2. · Friedrich Hölderlin · Poetry Cove