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1872

[Trennt euch zuweilen]

Paul Heyse

Trennt euch zuweilen, Ihr glücklich Liebenden! Ach, nur die Ferne Glüht Seel' und Seele

Magisch zusammen; Ach, nur die Sehnsucht Vermählt euch ganz! Süß ist das Haben

Arm in Armen, Süß sind die Gaben, Die lebenswarmen, Des geselligen

Augenblicks. Wie reife Trauben, Des Gartens Zierde In sonnigen Lauben,

Die voll Begierde Wir pflücken und naschen, Durstig des raschen, Trunkenen Glücks.

Doch gleich dem Weine, Der aus der Kelter Trübe geflossen, Lange von dunkeln

Reifen umschlossen, Bis er mit Funkeln Im Becher glüht: So kann nur Liebe

Das Mark durchglühen, Die ausgereift ist In Sehnsuchtsmühen, Fern und alleine,

Bis ihr die Blume, Die duftig reine, Dauernd erblüht. Trennt euch zuweilen,

Ihr glücklich Liebenden! Besser, es trennen Euch weite Meilen, Als der Nähe

Treiben und Jagen, Wo Herz dem Herzen Muß ferne schlagen Und Blicke scherzen

In fremdem Glanz. Ach, nur die Ferne Glüht Seel' und Seele Magisch zusammen;

Ach, nur die Sehnsucht Vermählt euch ganz!

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