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1872

Prolog

Paul Heyse

Warum willst du mit Ghaselen Die geduld'ge Muse quälen? Lieder dichte, drin sich zwanglos Sinn und Reim von selbst vermählen,

Wie sie hold von Mädchenlippen Tönen und aus Vogelkehlen! – Also werden meine Feinde, Werden meine Freunde schmählen.

Doch bedeckt: nicht steht's dem Dichter Frei, sich seine Form zu wählen; Er gehorcht geheimnisvollen Seines Genius Befehlen.

Platen wagte, Schiras' Gärten Sehr ausgiebig zu bestehlen, (Ganze hundertsechsundfünzig Hafislieder konnt' ich zählen!)

Und er wußte viel vom Schenken Und vom Liebchen zu erzählen, Im Gedicht; denn ach, im Leben Sollt's ihm oft an beiden fehlen.

Mich, den weltentrückten Alten, Kann allein der Wunsch beseelen, Auf den Vollklang dieser Reime Lauschend, mein Gemüt zu stählen

Und aus mancher bittren Schale Mir den Kern herauszuschälen.

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