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1872

Brescia

Paul Heyse

Wie locken mich all deine Lieblichkeiten, Du schönes Brescia! Nur noch einmal schauen Möcht' ich Morettos fürstlich-holde Frauen Und all die werte Kunst versunkner Zeiten.

Wie durch ein Märchen glaubt' ich hinzuschreiten In totenstillen Gassen, an den grauen Palästen hin; nur das Geschrei der Pfauen Drang über Gartenmauern mir zur Seiten.

Doch wo die alten Tempeltrümmer grüßen Aus dunkler Feigen Laub, trat ich hinein Und sah die schönste der Viktorien thronen. Lang ruht' ich andachtsvoll zu ihren Füßen.

O Göttin, warum mußt du ehren sein! Ein Kranz aus solcher Hand – wie würd' er lohnen!

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