Skip to content
1872

Amor in der Mauser

Paul Heyse

Einsam, traurig und gefangen Sitzt der kleine Gott zu Haus, Und mit naßgeweinten Wangen Rupft er sich die Federn aus;

Spitzt sie fein an seinen Pfeilen, Taucht sie in ein Tröpfchen Blut, Schreibt damit entflammte Zeilen, Brief' und Lieder voller Glut.

Ach, und kann's ihm denn genügen, Daß er lahm die Feder führt, Da er einst in sel'gen Flügen Zweier Schwingen Kraft gespürt?

Heil'ge Venus, laß geschwinde Hingehn diese Mauserzeit, Die dem armen Götterkinde Sichtbar kümmerlich gedeiht.

Neu beschwing ihm das Gefieder, Das nun kriechend kritzeln muß: Blick und Wort statt Brief' und Lieder, Statt der Siegel Kuß um Kuß!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Amor in der Mauser · Paul Heyse · Poetry Cove