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1872

Abschied

Paul Heyse

Hab' ich ihn nun ausgeträumt, Meinen Wintertraum im Süden, Wo die Flut am Strand verschäumt, Als ein Schlummerlied dem Müden?

Nordwärts zieht das rasche Schiff An der schönen Bucht vorüber; Einen Abschiedsgruß hinüber Schickt des Dampfers hoher Pfiff.

Lange noch zurück vom Bord Wandern Augen und Gedanken Zu dem hellen Häuschen dort, Das die Rosen hoch umranken,

Wo im linden Sonnenschein Unter Palmen und Zypressen Holdbetrogen ich vergessen, Daß es Winter sollte sein.

Doch getrost! Nun wirst du bald Holden Heimatklängen lauschen. Wieder wird der deutsche Wald Kühl die Stirne dir umrauschen,

Wenn an des Benacus Strand Alle Kreatur verschmachtet Und die Luft, auch wenn es nachtet, Nie sich kühlt vom Tagesbrand.

Danke, daß erreicht du hast, Was dem Menschen blüht so selten, Daß er als vertrauter Gast Bürger sei in zweien Welten

Und zu träumen sich erkühnt, Trotz des Alters frost'gem Schauer, Daß in märchenhafter Dauer Ew'ger Frühling ihn umgrünt.

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