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1872

3.

Paul Heyse

Gedenkst du noch der Zeit, Da wir uns alles waren? Die liegt so weit, so weit! Ich noch so unerfahren,

Du schon durch Leid gereift, Todmüd in jungen Jahren. Lang war ich umgeschweift, Doch gleich in deinem Banne,

Als mich dein Blick gestreift. O Lieb', in kurzer Spanne Schufst du das Weib zum Kind, Den jungen Fant zum Manne.

Es kam ein Wirbelwind Und fuhr in unsre Flammen – O Wonnen kurz und blind! So standen wir beisammen,

Von Reue nicht geschreckt, Noch von der Welt Verdammen. Was ward in uns geweckt, Das unsre Seelenbrände

Mit eis'gen Schauern deckt'? Ist's möglich? So zu Ende, Was kaum noch so begann? Kein Wort? kein Druck der Hände?

Und Jahr um Jahr verrann Wie unter Eiseshülle, Was auch die Parze spann. Wie hast du nur so stille

Die Zeiten durchgeharrt? War's Schicksal? war's dein Wille? Kein Hauch der Gegenwart Von mir zu dir, wenn selten

Genannt dein Name ward. Zwei ferne, fremde Welten All unser Freud' und Leid, Die einst so nah gesellten –

Gedenkst du noch der Zeit?

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