Skip to content
1872

18. Auf eine griechische Büste des Traumgottes

Paul Heyse

Wer dich bildete, Dämon, geflügelten Hauptes, die Lippen Höhnisch pressend, den Blick eisig ins Leere gespannt, Ihm umschwirrten das Lager zu Nacht nur trügliche Larven; Glückweissagend und treu bist du ihm nimmer genaht.

Stets nur täuschtest du hämisch ihm vor das Bild der Ersehnten, Das mit Händen berührt schaurig in Nebel zerfloß, Eh' es dem Armen vergönnt, an zärtlichen Lippen der Sehnsucht Fieber zu kühlen, das Haupt bettend der Teuren im Schoß.

Oder du hast all das ihm gewährt, daß nur um so bittrer Er aus seligem Wahn wieder erwache zur Qual. Bleibe mir stets vor Augen, den Leichtbetrognen zu warnen, Daß auch wachend er nie traue dem Traume des Glücks!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
18. Auf eine griechische Büste des Traumgottes · Paul Heyse · Poetry Cove