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1872

14.

Paul Heyse

Ob wohl im Atem dieser Sommerluft, In dieses Morgens sanftbewegter Kühle Ein Hauch schon mich umschwebt aus deiner Gruft? So rein wie kindlich heitre Vorgefühle

Weht von der Halde mich der Frühwind an, Indes ich hier in meinen Schmerzen wühle; Daß ich des Wahns mich nicht erwehren kann, Ein Teil von dir, ein Stäubchen von dem Staube

Der dich, geliebtes Kind, zurückgewann, Umwittre mich im Schatten dieser Laube, Umschmeichle mein Gemüt, daß es hinfort Nicht mehr so bittrer Schwermut sei zum Raube.

Im Tropfen Tau an jener Ranke dort Seh' ich den Schimmer deines Auges wieder, Im Rieseln jenes Bachs hör' ich dein Wort. Dein Lachen klingt mir aus den Wipfeln nieder,

Wo Tauben nisten; jeder Blumensproß Mahnt mich des Wuchses deiner schlanken Glieder. Nichts ist in aller Runde klein und groß, Das mir nicht dienen muß, dich zu verkünden,

Als wäre die Natur ein Spiegel bloß, Dein frühverlornes Bild darin zu finden, Als bärge jeder laut geheimen Sinn, Den nur wir beide, du und ich, verstünden.

O sprich mir weiter, süße Schläferin! Aus deinem Traum sprich Liebliches zu mir, Der ich noch taub für Menschenstimme bin! Bestärke mir den Glauben: was ich hier

An Holdem seh' und höre, sei dein Grüßen, Und jedes Labsal stamme nur von dir. So früh hab' ich zurück dich geben müssen Ans All, aus dem du flüchtig aufgetaucht;

Nun kann der Trost nur meinen Gram versüßen, Daß aus dem All zurück dein Wesen haucht.

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