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1899

Die Nacht 3

Georg Heym

Jetzt schlafen viele, wie in weißen Särgen, Und in den Wänden sieht man Betten stehen, Darin sich schaukelnd große Köpfe drehen. Doch manche müssen einsam weit noch gehen

Um sich in dunkle Nächte zu verbergen Wo schwer im Himmel sich die Wolken winden. Sie hören oft ein großes Wagenrollen Und schattenhafte Pferde schnell verschwinden

In Straßen fort und Mauern dunkelvollen. Und manchmal sehen sie in hohen Stürmen Den grauen Mond in Falten und verquollen Und Nachtgevögel [singet in den Türmen.]

Im Irrsal suchen sie den Weg in Fernen Und tasten mit den Händen rund, den blinden, Und hinter ihnen kichern die Laternen, Die schnell in trübe Nacht hinab entschwinden.

Doch in der Dächer Sturz und Häuser Engen, In leerer Giebel ausgebrannten Sparren, Sind viele Tote, die im Kühlen hängen Und mit dem Fuß das Morgengrauen scharren.

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Die Nacht 3 · Georg Heym · Poetry Cove