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1899

2.

Georg Heym

Dich grüßt der Dichter, düsteres Phantom, Den durch die Nacht der Liebe Schatten führt, Im unterirdisch ungeheuern Dom, Wo schwarzer Sturm die Kirchenlampe schürt,

Die lautlos flackert, ein zerstörtes Herz, Von Qual durchlöchert, und die Trauer krankt Im Tode noch in seinem schwarzen Erz. An langen Ketten zittert es und schwankt.

Sein roter Schein flammt über Gräber hin. An dem Altare kniet ein Ministrant, Zwei Dolche in der offnen Brust. Darin Noch schwelt und steigt trostloser Liebe Brand.

Durch schwarze Stollen flattert das Gespenst. Er folgt ihm blind, wo schwarze Schatten fliehn, Den Mond an seiner Stirn, der trübe glänzt, Und Stimmen hört er, die vorüberziehn

Im hohlen Grund, der von den Qualen schwillt, Mit dumpfem Laut. Ein ferner Wasserfall Pocht an der Wand, und bittre Trauer füllt Wie ein Orkan der langen Treppen Fall.

Fern kommt ein Zug von Fackeln durch ein Tor, Ein Sarg, der auf der Träger Schultern bebt Und langsam durch den langen Korridor In trauriger Musik vorüberschwebt.

Wer ruht darin? Wer starb? Der matte Ton Der Flöten wandert durch die Gänge fort. Ein dunkles Echo ruft er noch, wo schon Die Stille hockt an dem versunknen Ort.

Das Grau der Mitternacht wird kaum bedeckt Von einer gelben Kerze, und es saust Der Wind die Gänge fort, der bellend schreckt Den Staub der Grüfte auf, der unten haust.

Maßlose Traurigkeit. In Nacht allein Verirrt der Wandrer durch den hohen Flur, Wo oben in der dunklen Wölbung Stein Gestirne fliehn in magischer Figur.

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