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1846

Schlußlied

Georg Herwegh

Was soll der Becher, Ihr tobenden Zecher, Was soll die funkelnde Flasche In eurer Hand?

Es trauert in Sack und Asche Das Vaterland. Was soll, ihr Bräute, Das Jubelgeläute?

O, heißt die Rosen erblassen Am deutschen Strand! Vom Bräutigam ist verlassen Das Vaterland.

Was soll, ihr Fürsten, Nach Kronen das Dürsten? Zerreißt die goldenen Schnüre, Das Prunkgewand!

Es frieret vor eurer Türe Das Vaterland. Was macht, ihr Pfaffen, Euch also zu schaffen?

Was soll uns jetzo das Beten? O eitler Tand, So lang in den Staub getreten Das Vaterland.

Weh euch, ihr Reichen, Die nicht zu erweichen! Ihr zählt die Rubel, die runden, Im Sonnenbrand

Der Lazarus seine Wunden, Das Vaterland. Weh euch, ihr Armen! Was heischt ihr Erbarmen?

Es liegen viel Edelsteine Vor euch im Sand, Auch meine Tränen, auch meine, Ums Vaterland.

Doch du, o Dichter, Bist nimmer der Richter! Gebeut der fertigen Zungen, Gebeut ihr Stand!

Dein Schwanenlied ist gesungen Dem Vaterland.

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Schlußlied · Georg Herwegh · Poetry Cove