Skip to content
1846

Reiterlied

Georg Herwegh

Die bange Nacht ist nun herum, Wir reiten still, wir reiten stumm, Und reiten ins Verderben. Wie weht so scharf der Morgenwind!

Frau Wirtin, noch ein Glas geschwind Vorm Sterben, vorm Sterben. Du junges Gras, was stehst so grün? Mußt bald wie lauter Röslein blühn,

Mein Blut ja soll dich färben. Den ersten Schluck, ans Schwert die Hand, Den trink' ich, für das Vaterland Zu sterben, zu sterben.

Und schnell den zweiten hinterdrein, Und der soll für die Freiheit sein, Der zweite Schluck vom Herben! Dies Restchen – nun, wem bring' ich's gleich?

Dies Restchen dir, o Römisch Reich, Zum Sterben, zum Sterben! Dem Liebchen – doch das Glas ist leer, Die Kugel saust, es blitzt der Speer;

Bringt meinem Kind die Scherben! Auf! in den Feind wie Wetterschlag! O Reiterlust, am frühen Tag Zu sterben, zu sterben!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Reiterlied · Georg Herwegh · Poetry Cove