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1817–1875

Ii. Hochwohlgeboren

Georg Herwegh

Ein guter Bürger willst du werden? Pfui, Freund — Ein guter Bürger — du? Das also war dein Ziel auf Erden? Dem stürmten deine Lieder zu?

O, nimm's zurück, das ekle Wort! Wer mag sich so gemein geberden? Nein, nein, mich reißt es weiter fort: Ich muß Geheimer-Hofrath werden!

Um meine Wiege sah die Amme Schon frühe den Prophetenschein, Und in mir diese ew'ge Flamme, Sie kann, sie darf nicht Lüge sein.

Bleib' du im Thal, wo dir's behagt Und grase mit den Pöbelheerden, In mir steht fest, was ich gesagt: Ich muß Geheimer-Hofrath werden!

Daß unsre Wege so sich theilen, Glaub' mir, Georg! es thut mir weh; Du gehst zum Bier: und ich derweilen Zu einem Oberappellationsgerichtsvicepräsidenten-Thee.

Du hast erfüllt dein stilles Loos, Das meine liegt noch den Behörden Der dunkeln Zukunft schwer im Schooß: Ich muß Geheimer-Hofrath werden!

So Mancher hat's doch schon erreicht, Der höher noch als ich gedachte, Der krummer seinen Vers vielleicht Und krummer seinen Rücken machte.

Und, trotz Gefährden und Beschwerden, Schwör' ich's — St. Huber, höre mich! — Ich muß Geheimer-Hofrath werden! Sieh: ein Logis im ersten Stocke,

Recht weit und reich, mit Maß geheizt, Ein Kreuzchen auf dem schwarzen Rocke, Das sich kokett versteckt und spreizt, Ein Chaischen, ein Livreechen drauf,

Und fährt's auch mit Fiacre-Pferden — Bruder! die Seele geht mir auf: — Ich muß Geheimer-Hofrath werden! Noch lebt ein Gott: Verdienst zu lohnen,

Noch steht manch Gott theilt den Fürsten ihre Kronen, Die Fürsten uns die Titel aus. Gewiß, gewiß! ich find' es noch

Mein letztes Ziel auf dieser Erden; Wär's nur um Voigtens Nekrolog: — Ich muß

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