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1817–1875

Gebet.

Georg Herwegh

Brause, Gott, mit Sturmesodem durch die fürchterliche Stille, Gib ein Trauerspiel der Freiheit für der Sklaverei Idylle; Laß das Herz doch wieder schlagen in der Brust der kalten Welt, Und erweck' ihr einen Rächer, und erweck' ihr einen Held!

Wenn sie in der eignen Heimat frei zu leben uns nicht gönnen, Schaff' uns eine grüne Insel, wo wir frei noch Sterben können froh und freudig in der frischen freien Luft Und uns selbst die Rosen träufeln aus den Wunden auf die Gruft!

Aus dem Nachtmalkelch der Freiheit laß uns wieder einmal schlürfen, Baue wieder einen Altar, drauf wir uns dir opfern dürfen, Breite vor uns einen Wahlplatz, einen Platz der Völkerwahl, Aus dem Kerker, aus der Scheide sehnt sich wieder unser Stahl!

Ach! um jenes Sturms Verheissung hat der Frieden uns betrogen, Und das goldne Schiff der Hoffnung, das als Wiege in die Wogen Unter Klang und Sang gesteuert und so reiche Schätze barg, Ruht gescheitert, schwarzbewimpelt in dem Hafen jetzt, ein Sarg.

Will mein Volk nun ewig klagend dieses morsche Wrack umstehen? Soll in thatenlosen Seufzern seine beste Kraft verwehen? Donnert nie durch seinen Himmel der Entscheidung scharfer Ton? Wahrlich ein Despote zaudert nicht so lang am Rubikon!

Glaubet ihr, der Frieden werd' euch für des Hauses Freude bürgen? Nur vernichten kann der Krieg uns, solch ein Frieden wird uns würgen! In dem wilden Kampfgewühle mag es wohl ihr werden heiß, Aber

So ihr nicht begießt die Pflanze, wird sie allgemach verkümmern, So ihr nicht gebraucht den Degen, wird ihn schnell der Rost zertrümmern; Eine Ader sich zu öffnen für die Freiheit, wäre gut, Sonsten zweifeln die Tyrannen an der Völker reinem Blut.

Aber wollen mich die Männer nicht verstehn, die schwerverirrten, O so höret Traget Ihr ein Schwert in Myrten; denn mich dünket, Frau und Frei, Nicht so fremd einander klingen diese Worte, diese Zwei!

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