Noch ein Lied dem deutschen Bürger, Noch ein ächtes Maienlied! Frühling sei es keinem Würger, Der sein Volk zum Staube zieht;
Frühling Jedem bis zum Tod, Frühling nie für den Despot! Selbst der Himmel, warm und rein, Der des Freien Brust erweitert,
Eine Klippe, dran er scheitert, Mög' er jedem Wütrich sein. Alle Blumen sollen flüstern: „seht ihr, seht ihr den Tyrann?
„bleib' in Deinem Reich, dem düstern, „in der Hölle, finstrer Mann! „willst Du noch des Weihrauchs mehr? „unser Kelch ist für Dich leer.
„fort, Du taugst nicht an das Licht! „weiche ferne, Du Verräther, „du verstehst den freien Aether „und die Frühlingsfreiheit nicht!“
Jede Biene dünk' Tarantel, Jeder Rose Purpurkleid Ihm ein Carbonarimantel, Drin ein Dolch für ihn bereit!
Jeglich Säuseln, das er hört, Ihm sein Volk, das sich empört; Keine Freude und kein Scherz, Keine Wonne soll ihm blühen,
Und von keiner Sonne glühen Je ihm sein sibirisch Herz! Nächtlich mit Entsetzen dreh' er Sich im sternenlosen Nichts,
Und von allen Engeln seh' er Nur den Engel des Gerichts; Jeder Schlag der Nachtigall Kling' ihm wie Posaunenschall,
Der ihn vor den Ew'gen ruft; Und der Lerche jubelnd Schmettern, Wie der Blitz von tausend Wettern Treff' es ihn aus blauer Luft.
Jeder Blütenbaum am Wege Streu' auf's Haubt ihm Silberschnee, Einen eis'gen Panzer lege Um sein Schiff ihm jeder See;
Wo er immer landen mag, Flieh' erschreckt der goldne Tag; In der öden kahlen Flur Soll sich seine Seele spiegeln,
Ihm ein Buch mit tausend Siegeln Sei im Lenze die Natur. Ja, o Lenz, sei für die Dichter, Für die Völker Lenz allein!
Für Tyrannen sollst Du Richter, Für Tyrannen Rächer sein. Schreib' auf jedes grüne Blatt: Ich bin eurer herzlich satt,
Eurer schnöden Tyrannei! Frei sind meiner Blumen Düfte, Meine Wolken, meine Lüfte, Auch die Menschen seien frei!
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