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1846

Bei Hamburgs Brand

Georg Herwegh

Ein freies Wort in Hamburgs Flammen! Denn in den Flammen seht ihr's gern; Es wird mich Fürst und Volk verdammen Und doch – ich find' kein Lied, ihr Herrn;

Kaum will ein Laut sich in mir regen, Ein Laut für den Philistersegen, Der aus der heißen Asche bricht; Laßt mich ein Sprüchlein niederlegen:

Bewahrt das Feuer und das Licht! Ihr wißt, ich bin ein schlechter Reimer, Dies liegt trotz eurer Nacht am Tag; Doch ist mein Vers kein Wassereimer,

Den man zum Löschen füllen mag; Ich jauchzte, als die Feuerzungen Jüngst so beredt durchs Land geklungen, Ja, Feuer! rief noch mein Gedicht;

Ich hab' den Stürmen zugesungen: Bewahrt das Feuer und das Licht! Manch trocken Auge ward gefeuchtet, Manch kalte Seele wurde heiß,

Und glühend hat das Eis geleuchtet, Das starre, deutsche Gletschereis; Der Bund der Eintracht ward beschworen, Das Feuer hat uns neugeboren,

Des Rheines Wasser konnt' es nicht – O sei kein Funke drum verloren: Bewahrt das Feuer und das Licht! Laßt sie von Land zu Lande wallen,

Die Glut, die uns solch Heil gebar; Laßt alle, alle Tempel fallen, Doch jede Seele werd' Altar. „Mehr Licht!“ nur Licht kann uns erretten,

Nur Feuer tilgt das Mal der Ketten, Das Feuer halte sein Gericht. Das Feuer will die Freiheit betten: Bewahrt das Feuer und das Licht!

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