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1817–1875

An Frau Carolina S. in Zürich.

Georg Herwegh

Nur zagend lass' ich meinen Worten Vor andern Menschen ihren Lauf; Von meinem Herzen klingend auf; Mir ist,

Die tiefste Seele wird mir flott; Wie ich mag in die Saiten schlagen, Um Die Welt will, daß man sie betrüge

Durch ein erheuchelt fromm Gefühl, Mit Anstand einen Frieden lüge, Wenn's in der Brust uns dumpf und schwül; Du hörest, seltenste der Frauen,

Den kecken Schwärmer ohne Groll, Du weißt, man muß ihn selber bauen, Den Himmel, dran man glauben soll. — Gleichwie am stillen Abend schmettert

Durch heitre Luft Trompetenklang, Gleichwie 's um Rosenbüsche wettert Ein blühendes Gestad entlang, Gleichwie zum Sturme ruft die Glocke,

Indeß noch Beter am Altar, Wie neben eines Kindes Locke Ein graues, ernstes Greisenhaar, — — So tönt zu meinem stillen Volke

Mein zürnend, freiheitheischend Lied; Ich bin die schwere, schwarze Wolke, Der Gott den Donner nur beschied; Ich bin kein froher, freud'ger Buhle,

Deß Wappen Rose und Pokal, Ich sitz' als Geist auf Banko's Stuhle Bei jedem frechen Königsmal. O könnt' im finstern Rath der Alten

Mein Lied ein zündend Feuer sein! Doch ach! die Nüchternen, die Kalten Verlangen abgelegnen Wein. Im Zorn oft drück' ich auf die Flasche

Den Kork — es öffnet sich Auf Zu neuen kühnen Flammen aus. Ich trug mein Lied, wie jener Meros

Den Dolch, tief unter meinem Hemd; Es klang, wo man dem Liede Nero's, Des neugekrönten, lauscht, so fremd. Wohl waren manche Perlen fertig,

Doch noch der ächten Taucherhand, Noch Nimm sie — und wirf sie in den Sand!

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