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1817–1875

An den König von Preußen.

Georg Herwegh

Einst hat ein bessrer Mann gewagt, Mit seinem Lied vor Dich zu treten; Du kennst Ihn, der so unverzagt Die Tyrannei bei Dir verklagt

Und Dich um Deinen Schutz gebeten, Um Schutz für jenes arme Land, Das blutend vor dem Himmel stand Und keine, keine Hülfe fand,

Als die Verzweiflung der Poeten. O lebt' Er noch, er würde heut Dich aus dem süßen Schlummer stören; Ob alle Welt Dir Weihrauch streut

Und jeden Siegerkranz Dir beut, Er spräch' dem falschen Jubel Hohn Und nahte zornig Deinem Thron; Tot ist der Vater, und der Sohn,

Der Mächtige, müßt' Ihn hören. Doch Und Polen ist durch uns verloren; In Ehrfurcht tret'

Wirf nach dem Dichter nicht den Speer, Weil eine Hütte ihn geboren, Weil er vor Dir, dem Fürst, den Mut, Zu flehen für Dein eigen Gut,

Zu flehen für Dein eigen Blut, Für's deutsche Volk, dem Du geschworen! Sieh, wie die Jugend sich verzehrt In Gluten eines Meleager,

Wie sie nach Kampf und That begehrt — O drück' in ihre Hand ein Schwert, Führ' aus den Städten sie ins Lager! Und frage nicht,

Die Feinde kommen mit dem Wind: Behüt' uns vor dem Frankenkind Und vor dem Czaren, Deinem Schwager! Die Sehnsucht Deutschlands steht nach Dir,

Fest, wie nach Norden blickt die Nadel; O Fürst, entfalte Dein Panier; Noch ist es Zeit, noch folgen wir, Noch soll verstummen jeder Tadel!

Fürwahr, fürwahr, Du thust nicht Recht, Wenn Du ein moderndes Geschlecht, Wenn Du zu Würden hebst den Knecht; Nur wer ein Adler, sei von Adel!

Lass', was den Würmern längst verfiel, In Frieden bei den Würmern liegen; Dir ward ein weiter, höher Ziel, Dir ward ein schöner Ritterspiel,

Als krumme Lanzen grad' zu biegen. Sei in des Herren Hand ein Blitz, Schlag' in der Feinde schnöden Witz, Schon tagt ein neues Austerlitz,

Mögst Das rathlos auseinanderirrt, Mein Volk soll Dir entgegenflammen; Steh' auf und sprich: „Ich bin der Hirt,

Der Eine Hirt, der Eine Wirt, Und Herz und Haubt, sie sind beisammen!“ Das West und Ost, das Nord und Süd — Wir sind der vielen Worte müd;

Wirst Der Fischer Petrus breitet aus Auf's Neue seine falschen Netze; Wohlan, beginn' mit ihm den Strauß,

Damit nicht einst im deutschen Haus Noch gelten römische Gesetze! Bei jenem großen Friedrich! nein, Das soll doch nun und nimmer sein.

Dem Pfaffen bleibe nicht der Stein, An dem er seine Dolche wetze. Noch ist es Zeit, noch kannst Du stehn Dem hohen Ahnen an der Seite,

Noch kannst Du treue Herzen sehn, Die gern mit Dir zum Tode gehn, Zum Tod im heiligen Streite. Du bist der Stern, auf den man schaut,

Der letzte Fürst, auf den man baut; O eil' Dich! eh' der Morgen graut, Sind schon die Freunde in der Weite. Nun schweig', du ehernes Gedicht!

Des Fürsten Mund wird bitter schmollen. Ich weiß, man hört die Sänger nicht, Man stellt die Freien vor Gericht Und wirft sie in die Schar der Tollen.

Gleichviel — wie er auch immer schmollt, Ich hab' gethan, was ich gesollt; Und wer, wie ich, mit Gott gegrollt, Darf auch mit einem König grollen.

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