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1789

Zage nicht!

Johann Gottfried Herder

Der Du in dem Sturm des Unglücks Mastlos und entsegelt fährst, Zage nicht! noch ist zu hoffen; Plötzlich steht der Hafen offen,

Wo Du Dich dem Sturm entwehrst. Man entwaffnet durch die Hoffnung Künft'gen Guts des Uebels Wuth; Sieh, auf flüchtigem Gefieder

Stürzet Nacht und Tag hernieder, Und der Nord ergrimmt und ruht. Unter wechselnden Gestalten Steht erschaffend die Natur;

So geschäftig steht der Weise In der Aenderungen Kreise, Stürzet nicht, entweichet nur. Lieget unter kalten Schneen

Sicher nicht die goldne Saat? Unter diesem starren Schleier Ruhet sie, bis daß das Feuer Titan's sie erwärmet hat.

Die Du edler als die Liebe, Meines Lebens Athem bist, Sanfte Hoffnung, Dir zu Ehren Lass' ich frohe Töne hören;

Du bist mehr, als Amor ist.

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Zage nicht! · Johann Gottfried Herder · Poetry Cove